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Das Kreuz mit dem Kreuz

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen... hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“ heißt es in der Präambel des Grundgesetzes. Und die Präambel der Bayerischen Verfassung lautet: „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat, in dem festen Entschlusse, den kommenden deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern, gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung.“

Beide Verfassungen stellen an ihren jeweiligen Beginn einen eindeutigen Gottesbezug her. Es ist ein Bekenntnis des „Deutschen Volkes“ zu Gott. Beide Verfassungen sind somit nicht weltanschaulich neutral! Sie wenden sich gegen die Gottlosigkeit, die zwangsläufig zu einer menschenverachtenden Gesellschaft ohne Gewissen und ohne Achtung der Menschenwürde hinein in das Chaos geführt hat und führen wird. Der Gottesbezug ist Leitlinie der Verfassung.

In der vor allem von den Medien angefachten hitzigen Debatte um das Kreuz in bayerischen Amtsstuben wäre es gut gewesen, zuvor einen Blick in beide Verfassungen, auch in deren Präambeln zu werfen. Das gilt nicht nur für Atheisten, sondern auch für die Vertreter unserer Kirchen. Welches Gottesverständnis ist gemeint? Es dürfte keinen Zweifel geben, dass es auf der Grundlage unserer Geschichte in Europa nur das Verständnis des Neuen Testamentes ist, wofür das Kreuz steht. Das Kreuz lässt sich nicht von dem Gottesbezug der Verfassung trennen. Es ist nicht, wie das BVerfG in seinem Dreierbeschluss vom 16.5.1995 ausführt, nur Symbol einer bestimmten religiösen Überzeugung. Bereits der Gottesbezug in den Verfassungen hat seinen Grund im Religiösen. Das Kreuz steht nicht nur für den Glauben an Auferstehung und Erlösung. Es steht mit dem barbarischen Tod Christi am Kreuz einzig und allein wegen seiner Botschaft gegen die Barbarei für ein friedvolles Miteinander, für Liebe und Barmherzigkeit, für den einzelnen Menschen, für dessen Würde als Gottesgeschöpf, sei er Christ, Jude, Moslem oder Atheist. Das Verfassungsbekenntnis zu Gott und dem Kreuz im christlichen Verständnis grenzt nicht aus, anders wie etwa der Koran, für den die Ungläubigen, das sind die Juden, welche die Offenbarung besitzen, sie aber verraten haben, das sind die Christen, welche heidnisch neben Allah an mehr Gottheiten glauben, eine harte Strafe Gottes erwartet (2. Sure, Verse 105 folgende). Der Gott Mohammeds warnt, ein gläubiger Moslem dürfe sich nicht mit Christen einlassen, sonst verliere er seinen Glauben.

Angesichts des Gottesbezugs im Grundgesetz und in der bayerischen Verfassung ist es deshalb nicht falsch, in einer zunehmend atheistisch werdenden Gesellschaft auch durch das Aufhängen von Kreuzen durch den Staat nochmals auf das Bekenntnis unserer Verfassungen hinzuweisen, ein Zeichen gegen den Unglauben zu setzen. Es bedarf dazu nicht der zuvor einzuholenden Meinung und Zustimmung der Kirchen als Inhaber der „Marke“ Kreuz. Es bedarf auch nicht einer vorangehenden breit angelegten gesellschaftlichen Diskussion über die Bedeutung des Kreuzes. Es ist kein Missbrauch des Kreuzes durch den Staat, die Politik, eine Partei. Der Aufschrei, das Kreuzdekret der bayerischen Regierung diene dem anstehenden Wahlkampf, zeigt die Befürchtung an, dieses könne beim Wählervolk Zustimmung finden.

Das Grundgesetz schützt die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses. Sie sind unverletzlich. Der Staat darf seinem Bürger einen Glauben oder eine Religion weder vorschreiben noch verbieten. Zur Glaubensfreiheit gehört auch die Freiheit, nach den eigenen Glaubensüberzeugungen zu leben und zu handeln. Bedeutet dies aber auch, dass sich der Staat entgegen dem Bekenntnis zu Gott in der Präambel seiner Verfassung weltanschaulich und religiös neutral verhalten muss, sich nicht zum überkommenen christlichen Gottesbild, das sich im Kreuz manifestiert, bekennen darf? Oder bedeutet das, soweit er vom Bekenntnis der Verfassung zu Gott und dem Kreuz Christi nicht abrückt, dass er auch religiöse Symbole einer antichristlichen Religion, für die das Kopftuch verwendet wird, im öffentlichen staatlichen Raum zulassen muss?

Sicher, die zunehmende Pluralität der Gesellschaft, die schwindende Religiosität der angestammten einheimischen Bevölkerung und die Einwanderung aus dem islamischen Raum wirft die Frage auf, ob der Gottesbezug in den Verfassungen noch zeitgemäß ist. Beide Präambeln können geändert werden. Wollen wir aber das? Wollen wir wieder zu einer „gottlosen“ Gesellschaft zurückkehren, in der – außerhalb der Kirchen – das Kreuz nur Folklore ist (Ingo Zamparoni), in welcher das Abbild des Gekreuzigten vom ehemaligen Vorsitzenden der Bayern-SPD und Mitglied der Bundesregierung (Florian Pronold) als „Lattengustl“ geschmäht werden kann?

Ulrich Lardschneider, stv. Kreisvorsitzender der SEN

WPH

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