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In Erinnerung an Hanns Peter Wagner † 28. August 2018

Nun ist er doch von uns gegangen. Trotz seines unermüdlichen Kampfes von neun Jahren gegen die tückische Krankheit hat sie ihn besiegt. Nur wenige Wochen nach seinem 76. Geburtstag am 1. August. Allzu früh!

Hanns Peter Wagner war auch ein unbeirrbarer Kämpfer für seine Überzeugungen, die ihre Grundlage in seinem Glauben und seinem Herkommen hatten. Ein streitbarer Geist, manchem unbequem, nicht parteikonform. Geboren in Nordböhmen wurde er nach dem Krieg als Kind nach Bayern vertrieben, wo er bald Wurzeln schlug und Teil des bayerischen Stammes wurde. Geholfen hatte ihm dabei, dass Vorfahren aus dem Weinviertel in Niederösterreich stammten, den Bayern stammverwandt. Früh geprägt durch die katholische Jugend der Münchner Dompfarrei fand er schon 1958 als Sechzehnjähriger den Weg zur Jungen Union. In einem seiner letzten Briefe schreibt er zurückschauend, gerade das Miteinander nach dem christlichen Menschenbild sei eine Erfahrung gewesen, die ihn mit anderen in der CSU zusammen geschweißt habe. Für ihn war es demokratische Bürgerpflicht, nicht nur sein Wahlrecht wahrzunehmen, sondern sich in die politische Diskussion einzubringen, seinen Standpunkt in der Öffentlichkeit deutlich zu vertreten, andere Menschen zu überzeugen und auf seinem politischen Weg mitzunehmen, eine humane Gesellschaft mitzugestalten, auch wenn er sich dabei zuweilen als „Glühwürmchen“ oder als „kleines Würstchen der CSU-Basis“ mit wenig Einfluss wähnte. Es war daher nur konsequent, dass er dann vor 25 Jahren doch noch der CSU beitrat, für einige Jahre Mitglied des Kreisvorstands der CSU, zeitweise dessen stellvertretender Vorsitzender war und am Ende seines Berufslebens die Senioren-Union im Landkreis München mitbegründete. 2009 übernahm er deren Vorsitz, den er 2017, als seine Erkrankung ihren Tribut forderte, niederlegte.

Sinn und Zweck der Senioren-Union waren für ihn nicht ein Betreuungsverein der älteren Generation, der gesellige Zusammenkünfte anbietet, Ausflüge nach nah und fern organisiert, auch nicht ein Organ der Mutterpartei CSU zu sein, das Wählerstimmen des wachsenden Anteils der Älteren an der Bevölkerung zu beschaffen hat. Gemäß dem Leitmotto der SEN:Erfahrung gestaltet Zukunft“ — besser sollte es heißen „Erfahrung gestaltet Gegenwart“ — , ging es ihm gemäß der CSU-Satzung darum, am politischen Leben mitzuwirken und die Lebenserfahrung der älteren Generation in die Gestaltung der Gegenwart einzubringen. Denn die gegenwärtige Welt ist auch die Welt der Alten und lässt diese, die Alten, nicht unberührt. Über ihr Schicksal wollen die Alten selbst mit entscheiden, wenn auch nicht immer ganz vorne an der politischen Front. Davon zeugt die Vielzahl von Leserbriefen, Briefen an Mandatsträger, Beiträgen im Internetauftritt der SEN und von Vorgaben für die Arbeit seines Vorstands. Der Kreisverband agierte vornehmlich politisch, auch wenn zuweilen frustriert darüber, ob die SEN überhaupt Einfluss auf die Mutterpartei hat. Bis zuletzt meldete er sich mit Zwischenrufen und ihn quälte noch im letzten Stadium seiner Krankheit die Sorge, die Union könne angesichts ihres wenig christlichen Zankes und der öffentlichen Sprüche der Oberen der CSU ihren Einfluss in der Gesellschaft verlieren. Schon im Januar 2016 sorgte ihn, der Streit könne bei den Bundestagswahlen 2017 noch mehr Wähler der AfD zuführen. Er hatte Recht.

Gerade die AfD war unvereinbar mit seinem christlichen Menschenbild und seiner familiären Prägung. Hierbei konnte er leicht die Grenzen der Objektivität überschreiten, wenn er deren Protagonisten unterstellte, im braunen Dunstkreis ihrer Familien sozialisiert worden zu sein, und sie in Sippenhaft für ihre Eltern nahm. Ihm waberte zu viel Nazi-Gedankengut durch unsere Gesellschaft. Bereits der Hauch politischer Bräune machte ihn empfindlich. Der Zeitgeist war nicht seine Sache. Er empfand eine Politik, die den Zeitgeist verkörpert, als bedrohend. Vor allem die Diskussion um die aktive Sterbehilfe machte ihn tief betroffen, wenn argumentiert wurde, weil christlich-religiöse Erwägungen immer weniger eine Rolle spielten, sei es gerechtfertigt, die Hilfe zum Freitod strafrechtlich zu tolerieren. „Von der aktiven Sterbehilfe aus Gründen des Mitleids hin zur Meinung darüber, dass das Leben alter Menschen ebenfalls aus Mitleidsgründen, in Wahrheit jedoch aus sozioökonomischer Vernunft, verkürzt werden sollte, ist es nur ein kurzer Weg“, warnte er. Und über die Kraft des Kreuzes schrieb er zuletzt, die Botschaft des Kreuzes ist die Liebe, nicht Hass oder Feindschaft. Und trotz allem herrsche in unserer angeblich nach Toleranz und Offenheit strebenden Gesellschaft ein Zeitgeist der Ablehnung des Kreuzes, der noch dazu durch Gerichtsurteile zementiert werde.

2009 erlebte ich ihn mehr oder weniger zum ersten Mal, als er zum Kreisvorsitzenden gewählt wurde. In der Jungen Union in München hatten sich unsere Wege nicht gekreuzt. Es war eine turbulente Wahl. Es gab eine ernsthafte Mitbewerberin. Mit juristischen Argumenten wurde gefochten, ohne Kenntnis des Rechts, aber ein jeder sich gewiss, Recht zu haben. Gleichwohl wurde Hanns Peter Wagner ein guter Vorsitzender. Als ich dann 2011 in den Kreisvorstand gewählt wurde, anfangs neugierig und kritisch von ihm aufgenommen, entwickelte sich bald eine gute Freundschaft mit gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung. Dabei half ihm ein Ausspruch des Nationalökonomen Adolf Weber: „Auch der Parteipolitiker, der nicht bloßer Demagoge sein will und sich als solcher mit einigen Schlagwörtern begnügen kann, muss sich eine Theorie zurechtlegen. Aber er hört in der Regel zu früh mit dem Denken auf, sei es, weil das Weiterdenken mit dem parteipolitischen Dogma und den parteipolitischen Sonderinteressen in Konflikt gerät, oder sei es, dass er der Denkschulung entbehrt, die nun einmal erforderlich ist, um den komplizierten Zusammenhängen im Wirtschaftsleben gerecht zu werden.“ Dieser Satz gilt nicht nur für das Wirtschaftsleben. Hanns Peter Wagner hat ihn beherzigt und war manchem juristischen Rat meinerseits zugänglich. Ihm ging es um die Sache. Ihm war es „wurscht“, ob jemand ein „Roter“, „Schwarzer“, „Grüner“ oder wie auch immer Gefärbter ist; anders als mancher Parteipolitiker auch im Ministeramt, der wohlfeile populistische und undifferenzierte Sprüche von sich gibt.

Angeblich ist jeder Mensch ersetzbar. Dies stimmt nicht, denn zu sehr unterscheiden wir uns voneinander mit unseren Talenten und in unserem Wesen. Hanns Peter Wagner war als früherer Personal- und Finanzchef der deutschen Tochter einer Weltfirma und dann als Steuerberater prädestiniert für den Rentenarbeitskreis der bayerischen Senioren-Union unter Rudi Kraus. Dieser ist vor ihm gegangen. Der Arbeitskreis hat hervorragende Arbeit geleistet und Vorschläge vorgelegt, die Rentner nicht von der Teilhabe am Zuwachs des Produktivitätseinkommens unserer Gesellschaft auszuschließen, die Altersversorgung nicht aus dem Umlageverfahren zu lösen und zu privatisieren. Beide, Rudi Kraus und Hanns Peter Wagner, sind nicht ersetzbar. Es droht zum Nachteil der Union, dass diese die Rentenkompetenz an die SPD verliert.

Die Mitglieder der Senioren-Union München-Land trauern um ihren Ehrenvorsitzenden Hanns Peter Wagner. Wir vermissen ihn. Wir trauern mit seiner Witwe Karin Wagner, der unser Mitgefühl gilt.

Ulrich Lardschneider, stellvertretender Kreisvorsitzender

 

 

Werner P Hohmann

© SEN München Land 2018